Zwar hatten wir mit dem Transportservice der Deutschen Bahn absichtlich den Freitag als Liefertermin ausgemacht, um es auch persönlich empfangen zu können, aber dann hat die Bahn etwas sehr seltenes, unerwartetes getan: sie kam zu früh. So muss dann ein bedauernswerter Logistiker den 25kg Sack zum Nachbarn in den 4 Stock geschleppt haben. Bedauernswert natürlich auch weil er sich – wie mein Nachbar mich später – gefragt haben muss, was für einen verdammt schweren Mist wir da verschicken. Leider wird er das nun nie erfahren.
Nun sind also die 25 Kilo in Deutschland – der Prototyp sozusagen. Dieses Salz stammt noch aus den inzwischen recht leeren Vorräten des letzten Jahres. Im Oktober werden wir dann das frische Fleur de Sel dieses Sommers heranschaffen. Diese erste Charge ist für den privaten Gebrauch und als Probe für die Medien und einige Freunde. Erstmal müssen wir es allerdings trocknen. Nachdem wir – wie vom Salzbauern unseres Vertrauen empfohlen – die unteren Ecken des Sacks aufgeschnitten haben lief auch erstmal etwa ein halber Liter Lauge ab. Erstaunlicherweise ist dieses feuchte Salz allerdings nicht “geschmolzen” und verklumpt wie ich es erwartet hätte. Konsistenz und Geschmack entsprechen genau dem hohen Niveau der Proben aus Guérande, die wir vorher in Gourmetläden besorgt hatten. Wir haben ja insgesamt sicher zwanzig verschiedene Sorten Fleur de Sel getestet, darunter aus so abwegigen Orten wie Indien, Peru und Slovenien. Aber nichts, nichtmal das ebenfalls bekannte Fleur de Sel de Carmaque, erreicht diese Qualität. Tausend Jahre Erfahrung und Handarbeit sind also vielleicht doch nicht so nutzlos.

