Rezept: Pappà col pomodoro – Italienische Brotsuppe

Papa Col Pomodoro

Papa Col Pomodoro

Die florentinische Küche ist reich an „Arme Leute Suppen“*. Eine davon ist diese Pappà (zu Deutsch Brei, Betonung im Italienischen liegt auf dem letzten Vokal und ist durch den Akzent gekennzeichnet). Sie können Kastenweißbrot, Baguette oder auch ganz einfache Weizenschrippen verwenden. Wenn das Weißbrot ein, zwei Tage alt ist, ist das gar kein Problem und ganz im Sinne der Florentiner. Wenn Sie Ihrer Liebe nach deutschem Grau- oder Schwarzbrot nachgehen möchten können Sie das natürlich tun und eine sehr deutsche Variante der Pappà kreieren. (Aber ich übernehme keine Verantwortung für das Ergebnis.)

Je nachdem wie gesättigt und dick sie die Pappà haben möchten können Sie auch weniger als die angegebene Menge Brot verwenden. Je weniger Brot, desto mehr köstlicher Sugo*. Wenn Sie die Textur ganz fein und weich haben möchten schneiden Sie die Krusten ab.

Je nachdem was für Weißbrot Sie verwenden ist dieses Gericht komplett ohne Tierprodukte zubereitet und macht sogar Ihre veganen Freunde satt und glücklich.

Es braucht folgende Zutaten (für ca. 4 Personen):

  • 300g Weißbrot
  • 500g reife Fleischtomaten (im Winter gehen auch Pizzatomaten aus der Dose)
  • 2 Knoblauchzehen (oder mehr)
  • 1L Gemüsebrühe
  • frisches Basilikum
  • Olivenöl (medio oder intenso)
  • Fleur de Sel & Tellycherry Pfeffer
  • Italienische Aussprache*

Erstens

Waschen, putzen und schneiden Sie die Tomaten in kleine Würfel. (Wenn Sie Zeit und Lust haben können Sie die Tomaten einzeln kurz sautieren, d.h. ganz kurz in kochendes Wassser geben und danach schälen. Wenn Sie die Schale dranlassen ist es aber kein Problem.)

Hacken Sie die Knoblauchzehen grob und braten Sie kurz in heißem Olivenöl in einem großen Topf an. Geben Sie die Tomaten und das Basilikum dazu, salzen und pfeffern Sie gut und kochen Sie das Ganze für 15 Minuten. Zwischendurch gut umrühren.

Zweitens

Währenddessen können Sie das Weißbrot in feine Stücke schneiden. Bereiten Sie den Liter Brühe zu und gießen Sie die heiße Brühe in den Topf zu den Tomaten und kochen alles nochmal auf. Fügen Sie das Weißbrot dazu und kochen das Ganze für weitere 15 Minuten. Rühren Sie regelmäßig und gut durch, damit nichts anbrennt (aber Sie lassen bestimmt eh nichts anbrennen). Nehmen Sie den Topf vom Herd.

Drittens

Nach circa einer Stunde rühren Sie alles noch einmal gründlich durch um das Brot komplett aufzulösen. Servieren Sie die Pappà heiß oder lauwarm mit einem Faden Olivenöl und Basilikumblättchen. Niente formaggio!* Also, auf gar keinen Fall Parmesan oder anderen Käse draufreiben!

*Italienische Aussprache: Es ist wirklich ziemlich egal ob und wenn ja wie gut Ihre italienische Aussprache ist. Wenn Sie die Pappà servieren sprechen Sie die drei italienischen Worte, die in diesem Rezept vorkommen einfach italienisch aus: Pappà! Sugo! Formaggio! Sie werden es merken, das Essen wird Ihnen und den Gästen gleich viel besser schmecken – als ob Sie mitten in der Toskana sind…

*Arme Leute Suppen: Sie sind natürlich nicht arm nur weil Sie dieses Gericht zubereiten. Um Gotteswillen, das würde Ihnen niemand unterstellen. Wer möchte heute schon arm sein?

*Sugo: Ist einfach das italienische Wort für Soße. Aber klingt es nicht gleich viel leckerererer wenn Sie „Suuugo!“ sagen (mit melodisch gedehntem „u“) statt „Soße.“?

*Niente formaggio: Eine ganz klare Anweisung, hier gibt es nichts zu diskutieren. Es kommt kein formaggio (also Käse) auf die Pappà! Basta! Wenn Sie jetzt denken „Ja, aber, der Italiener streut doch überall Parmesa drüber.“ dann irren Sie ganz gewaltig. Ganz gewaltig!

War das jetzt Bestechung?

Eines der einzigartigen Worte der deutschen Sprache ist ja “Fremdschämen”, und diese Emotion empfand ich heute als ich Nathalies Verriss der “Gourmetbox” auf Cucina Casalinga las. Zugleich gestehe ich, etwas Angst zu haben. Denn auch wir schenken gerne mal Bloggern eine Tüte Salz oder Dose Öl und eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis uns Ähnliches passiert.

Eigentlich sollten wir sogar noch viel mehr Proben verteilen. Als kleines Unternehmen können und/oder wollen wir es uns nicht leisten, Anzeigen zu schalten oder dieses Gutschein-Altpapier zu produzieren, dass inzwischen aus jedem Amazon-Paket purzelt. Über Blogs können wir daher “die Zielgruppe erreichen” und unabhängige Meinungen zu unseren Produkten bekommen. Letzteres ist fast noch wichtiger, denn 2,5l Öl oder ein Kilo Fleur de Sel sehen nicht nur wegen der Verpackung aus wie die sprichwörtliche Katze im Sack. Da hilft es, wenn andere als der Verkäufer behaupten es handele sich um ganz tolles Salz.

Aber wir überwinden uns nur selten. Manchmal trauen wir uns einfach nicht, wenn die Bloggerin doch sonst vom italienischen Staat und Sarah Wiener verköstigt wird. Können wir da mithalten? Werden wir nicht aus der Tür gelacht?

Grundsätzlich fühlen wir uns einfach ein wenig dreckig. Ist das nicht Bestechung? Begeben wir uns nicht auf Bananenrepublik-Niveau, wenn wir für gute Berichterstattung Journalisten Öl um’s Maul schmieren? Was, wenn es zumindest so empfunden wird und jemand, den wir ansprechen, dann eine 2000-Wort-Kritik über ethisch fragwürdiges Marketing mit uns als Prototypen schreibt?

Daher ist es wirklich zu begrüßen, wenn ein Foodblogger ein eindeutiges Impressum wie dieses hat, damit man zumindest abschätzen kann, ob sie durch unser Angebot erfreut oder belästigt wird.

Produkttests sind ja – selbst wenn Foodblogger sich als Journalisten definieren – nicht eindeutig unmoralisch. Auch die traditionellsten Medien vom Spiegel bis zu New York Times lassen sich zu Probefahrten einladen oder bekommen iPhone-Prototypen zum Test überlassen.

Ebenso betonen wir immer schon im ersten Anschreiben, dass es dem Empfänger freisteht uns auch zu kritisieren. Und dass wir Wert darauf legen, dass im Artikel angesprochen wird, dass wir die getesteten Produkte kostenlos bereit gestellt haben. Wenn unsere Produkte dann gut genug sind um einen positiven Artikel zu kaufen müssen sie ja fast auch gut genug sein, um diese Meinung zu verdienen.

Vielleicht liegt es an diesen Spielregeln, dass wir bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht haben. Wir versuchen, nur Blogger anzuschreiben, zu denen unsere Produkte passen und die wir auch gerne lesen. Bisher gab es lediglich mal eine höfliche Ablehnung.

Eine vielleicht noch spannendere Frage: Lohnt sich der Aufwand? Nicht immer. So hat uns die Besprechung im fantastischen Flowers on my Plate  zwar einige Besucher gebracht, es ist aber genau ein Kilo Fleur de Sel deshalb über den virtuellen Ladentisch gegangen. Hat aber trotzdem Spaß gemacht.

 

“Rezept”: Frischer Minztee mit Orange (und ohne)

Frischer Minztee mit Orange

Wenn es ein Produkt gibt, dass die von mir schon zuvor beklagte Lieblosigkeit der Gastronomie symbolisiert ist es der frische Minztee. Selbst für stolze Preise von über zwei Euro bekommt man meist nur einen Stengel Minze in heißem Wasser serviert. Die Minze erschmeckt man dann ungefähr in dem Maße der Zitronenscheibe in der Cola Light.

Dabei kann frischer Minztee so unglaublich viel mehr sein. Gerade auch im Sommer (oh, wo bleibst Du!) ist es erfrischender als viele Kaltgetränke. Diese Erfahrung machte ich vor einigen Jahren in Marokko und seitdem versuche ich mich an der Wiederholung.

Der nordafrikanische frische Minztee hat dabei zwei “Geheimisse”: erstens wird er mit Zucker quasi gesättigt, was ich bei Espresso entschieden ablehne, hier aber anscheinend notwenig ist. Zweitens handelt es nicht um reinen Minztee, sondern um Grünen Tee mit Minze. Der Grüne Tee scheint den Minzgeschmack dabei heraus zu bringend und sorgt nebenbei für das notwendige Vitamin Koffein.

Im Café des Betahauses wurde mir aber eben eine Variation serviert, die mein Getränk des Sommers werden könnte: Frischer Minztee mit frischer Orange.

Was man braucht:

  • ein Büschel frische Minze
  • Eine Orange
  • 400ml kochendes Wasser

Die Zubereitung: Die Orange auspressen, reichlich (!) Minze hinein und das Glas mit dem kochenden Wasser auffüllen. Nach ca. drei Minuten anfangen zu trinken – die Minze dabei ruhig weiter im Glas lassen.

Die Orange ersetzt nicht nur den Zucker sondern harmoniert mit ihrem fruchtigen Geschmack perfekt mit der Minze.

Jetzt muss ich nur noch einen zuverlässigen Lieferanten für aromatische frische Minzblätter finden. Meine Fenstersimse bieten leider nicht genug Fläche für den Eigenanbau und die im Handel erhältliche Minze ist mal fantastisch und mal geschmackloses Unkraut.

Führen höhere Preise zu besserem Essen?

Eines der Instinktargumente das zu jedem Lebensmittelskandal hervorgekramt wird ist: Wer nicht bereit ist, für seine Nahrungsmittel einen vernünftigen Preise zu zahlen, darf nicht erstaunt sein, wenn Pferd in seiner Lasagne oder Dioxin in seinen Eiern gefunden wird.

Dieses Argument ist nicht grundlagenlos. Die allseits bekannte Statistik besagt, dass Deutsche lediglich 9% ihres Einkommens für Ernährung ausgeben, während es in Genußländern wie Frankreich oder Italien bis zu 14% sind.

Es ist allerdings naiv zu erwarten, dass Lebensmittelhersteller und -händler nur durch den Zwang der geizigen Verbraucher zu Missetaten gezwungen werden. Dass sie umgekehrt nur darauf warten, den finanziellen Spielraum zu erhalten, vertrauenswürdige Rohstoffe aus der näheren idyllischen Umgebung zu kaufen. Denn wer bereit ist, mehr für Essen zu zahlen, ermöglicht dem Produzenten zwar die Chance zu solchem Verhalten. Er zwingt ihn aber nicht dazu – ein Produzent, der mehr Geschäftsmann als stolzer Handwerker ist, kann sich auch einfach über eine höhere Marge freuen.

Spannend ist das Beispiel von Noka – einer hochpreisigen vorgeblichen Luxusschokolade inklusive extravanter Tilde über dem O, deren Ursprungsort sich mit ein wenig Recherche  (englisch) als ranziges Lokal in einer heruntergekommen amerikanischen Ladenzeile herausstellte. Der hohe Preis des Produkts diente hier der edel anmutenden Verpackung, guter Werbung und allem anderen, was notwendig war, um Qualität zu signalisieren. Dass für diese Qualität jedoch notwendige Geld wurde als Gewinn verbucht. Die Schokolade war en gros eingekauft und laienhaft verarbeitet.

Die Frage daher: aus welcher Motivation beteiligen sich Produzenten und Händler am Niedrigpreiswahn. Sehen sie sich durch die Konkurrenz dazu gezwungen? Oder nutzen sie laxe Kontrollen, unübersichtlich lange Lieferketten und die Unfähigkeit des Durchschnittsverbrauchers,  den Geschmack von Rind und Pony zu unterscheiden, um ihren Gewinn zu erhöhen. Nicht vergessen werden darf, dass besagte Pferdelasagne eben gerade in Frankreich produziert und auch verkauft wurde – einfach nur etwas teurer. Leider scheint es daher eher letzteres zu sein: wenn man die Chance hat, den Preis etwas zu erhöhen, nimmt man dies als Gewinn mit, statt es in Qualität zu investieren. Denn wer daran interessiert ist, Qualität zu produzieren, hat durch Bio-, Regional- und allgemeinen Qualitätstrend längst die Möglichkeit dazu.

 

Der Milchtüten-Geheimcode

Milchtüte Länger Haltbar von Justus Blümer

Dieser Artikel in der FAZ berichtet sehr lesenswert über die schleichende geschmackliche Entwertung unseres Essen. Sie greift dabei auch mein Lieblingsbeispiel auf: “länger haltbare” Milch. Bei dieser war es mir neu, dass die Kennzeichnung solcher H-Milch-im-Kühlregal freiwillig ist, d. h. wer will kann die Aufschrift weglassen und sich darauf verlassen, dass die meisten Kunden es eh nicht unterscheiden können.

Als Nahrungsmittelindustrie-Insider verfüge ich aber natürlich über gewissen Sonderwissen, das ich hier ausnahmsweise gerne teile: Meist auf der Oberseite einer Milchtüte ist ein Geheimcode aufgedruckt, über den sich feststellen lässt, ob es sich um “länger haltbar”-Milch handelt. Dieser Code sieht aus wie ein übliches Datum. Weicht dieses mehr als 12 Tage vom aktuellen Datum ab, ist es keine Frischmilch.

Jetzt würde es mich interessieren, ob es tatsächlich Hersteller gibt, die auf den “länger haltbar”-Aufdruck verzichten. Ein schnelle Nachforschung bei Edeka führte zu keinem postiven Ergebnis.

Foto: justusbluemer auf flickr

“Wie könnt Ihr diese Ausbeuter unterstützen?” – Über Hermes

Die im Titel erwähnte Fragen erreicht uns in mehr oder weniger zugespitzter Form mit überraschender Regelmäßigkeit. Da an der Antwort sicher auch viele interessiert sind, die keine E-Mail schreiben, möchte ich auch hier dokumentieren, wie wir zu dieser Entscheidung kamen.

Um es Vorweg zu nehmen: Hermes ist für uns günstiger. Wir sind daher in diese Überlegungen mit einer gewünschten Antwort hineingegangen. Unsere Pakete sind in der Regel klein und schwer und das Preissystem bei Hermes bedeutet für uns ca. zwei Euro Ersparnis gegen über dem wohl von unseren Kunden gewünschten Konkurrenten DHL. An unsere durchaus preissensiblen Kunden könnten wir diese nicht ohne Umsatzverlust weitergeben und unsere Marge würde es signifikant treffen, diese Zusatzkosten selbst zu übernehmen. Zudem erschien es uns zumindest zum Start des Salzprojekts in 2010 auch technisch vorteilhaft, Hermes zu wählen. So musste man damals noch einen Windows-Rechner verwenden, um Paketdaten an DHL zu übermitteln, über den wir zum Glück bis heute nicht verfügen.

Die Kundenanfragen konnten und können wir verstehen. Spätestens mit einer ARD-Dokumentation wurde Hermes zum Prototypen des ausbeuterischen Unternehmens, mit Berichten über Stundenlöhne unter fünf Euro, umfangreichem Einsatz von Subunternehmern mit nicht nachvollziehbaren Sozialstandards und ständig unerreichbaren Anforderungen. Auch unsere ersten Erfahrungen stimmten uns nicht unbedingt positiver. Insbesondere die damals verwendeten Privatwagen der Paketboten – vollgestopft und auseinanderfallend – erschienen fast als Metapher für die Firma. Für die ethische Vertretbarkeit des Versands mit Hermes möchte ich nichtsdestotrotz folgende Argumente anführen:

1. “Unsere Pakete sind gut”

In einem von Paketboten frequentierten Forum erkundigten wir uns gleich zu Anfang über die Vergütungsstruktur der Beschäftigten. Die Abholer erhielten demnach einen Euro für die ersten fünf Pakete und 30 Cent für jedes weitere. Dem passten wir uns an, indem wir Pakete nur abholen ließen, wenn eine ausreichende Anzahl zusammen gekommen war – auch wenn dies teilweise die Wartezeit für unsere Kunden erhöhte. Wenn wir dann z. B. 30 Pakete verschicken, verdient zumindest der Abholer ganz gut, nämlich acht Euro für geschätzte zehn Minuten Arbeit inklusive Anfahrt. Natürlich hilft dies nur auf einer Seite des Versands, die Abholer erschienen jedoch zumindest immer recht glücklich über unsere Lieferungen.

2. “Die Anderen sind auch nicht besser”

Obwohl DHL noch vor einigen Jahren als Bilderbuchfirma erschien, deren Paketboten man ihre gute Altersversorgung quasi ansehen konnte, scheinen diese Zeiten sich mittlerweile geändert zu haben. Zumindest in Berlin scheint man verstärkt ebenfalls auf Subunternehmer zurückzugreifen – erkennbar an den gelben Wagen, die zwar den Namen eines kleinen Einzelunternehmers tragen, in deren Staubschicht jedoch noch deutlich die Überreste des entfernten DHL- oder Postlogos erkennbar sind.

3. “Hermes hat sich gebessert”

Der wohl gründlich ruinierte Ruf muss wohl auch in der Hermes-Bilanz Spuren hinterlassen haben. Jedenfalls wurde letztes Jahr angekündigt, Mindestlöhne zwischen 7 Euro und 8,50 Euro einzuführen. Wenn dies durchgesetzt wird und sich auf die tatsächlich angefallene Arbeitszeit bezieht erscheint es angemessen.

4. “Was legal ist, ist moralisch”

Deutschland ist ein — zumindest relativ — zivilisiertes Land, und trotz aller Kritik haben wir ein gewisses Grundvertrauen in unsere Institutionen, grobe Missstände zu korrigieren. Wenn wir dann davon ausgehen, dass Hermes sich an die Gesetze hält, so haben die Mitarbeiter eben zumindest die Alternative der sozialen Sicherungssysteme. Die recht hohe Fluktuation unter Hermes-Mitarbeitern weist eben nicht nur auf den niedrigen Verdienst hin, sondern vielleicht auch darauf, dass diese Menschen eine bessere Beschäftigung finden. Wenn ein Hermes-Mitarbeiter nur einige Wochen dort arbeitet und es gewissermaßen als Lückenfüller oder sogar Trittstufe verwendet, kann man m. E. nicht mehr von Ausbeutung reden.

Trotzdem würden wir einen Mindestlohn für die Branche begrüßen. Paketzusteller befinden sich ja nicht im Kampf mit chinesischen Konkurrenten, daher sehe ich nicht, wie dies die Firmen nachhaltig schädigen sollte.

Trotzdem können wir unsere Kundenwünsche nicht ewig ignorieren und lassen uns gerade mal wieder ein Angebot von DHL erstellen. Immerhin könnten wir dann endlich auch die immer beliebteren Packstationen beliefern.

 

 

Rezept: Tarte Tatin

 

Tarte Tatin

Tarte tatin ist so etwas wie der schnelle Kopfstand der französische Dessertküche: Apfelscheiben in die Ofenform. Teig drüber. Backen. Umstürzen. Der Clou daran ist, dass es schnell geht und die Früchte saftig bleiben da der Teigdeckel die Feuchtigkeit hält.

Und so geht’s: Karamell – In einer feuerfesten Form 1-2 Esslöffel Zucker zum schmelzen bringen. Dann ein paar Flöckchen Butter dazu schmelzen lassen und verrühren. Apfelscheiben in zwei Reihen einlegen, das heißt erst eine Lage mit der Schnittfläche nach oben und dann in die Lücken die zweite Lage mit der Schnittfläche nach unten einlegen.

Teig anrühren, zb 100 g Mehl und 50 g sehr kalte Butter in Stückchen, etwa 4 Esslöffel Eiswasser  und eine Prise Salz (äh, du weißt schon). Schnell arbeiten am besten mit kalten Händen damit die Butter nicht schmilzt. Schnell ausrollen.
Früchte liegen ja schon in der Form – einfach den Teig drüber und am Rand in die Form stecken damit er gut abschließt; dann einpieken damit die Luft raus kann – sonst gibt’s Blasen. Ab in die Röhre bei 200°C für ca. 30 min.

Das braucht man

  • 100g Mehl
  • 6 Äpfel
  • 50g Butter
  • Zucker, Salz

Was Berliner Gastronomen im Studium lernen

Unsere Expeditionen in die Berliner Gastronomie ließen uns seit langem vermuten, dass es eine geheime Kaderschmiede geben muss, in der alle Berliner Restaurant- und Imbissbesitzer einst gemeinsam die Schulbank drückten. Durch harten Einsatz gelangten wir an das Vorlesungsverzeichnis des Masterstudiengangs, das wir hier EXKLUSIV veröffentlichen:

  • Die Simon-Dach-Formel: Wie viel Fußweg Kunden einsparen, wenn ich die Kopie gleich neben dem Original eröffne.
  • Wok, Schnitzel UND Pizza: Große Auswahl zeigt Expertise und Weltoffenheit.
  • “H” wie Haute Cousine – Welche Milch ich bei Lidl kaufen sollte, und warum sie dringend jeder Kunde sehen muss.
  • Vegan kochen – Warum Pizzakäseanalog ethisch einwandfrei ist und wie sich dadurch auch meine Marge erhöht.
  • Auf den Putz hauen/die Schönheit des Backsteins – Warum alle profitieren, wenn wir uns einen Innenarchitekten teilen.
  • Rechtsfreie Zeitzone – Ab wann ich die Aschenbecher wieder rausholen darf.
  • Mustafas Methode – Warum alle meinen Kebab wollen, wenn sie nur eine Stunde im Regen anstehen müssen.

Weitere Leaks werden in den Kommentaren angenommen.

Soylent Brown – Dystopie wird Realität

SPON berichtet über einen lustigen Freak, der aus Fetten, Zuckern Vitaminen und anderen weiteren Zutaten einen Shake gebastelt hat, der alle zum Leben notwendigen Nährstoffe enthalten und so von der lästigen Pflicht des Kochens und Essens entbinden soll.

Immerhin hat der mutige Erfinder die nötige Ironie, um sein Gebräu in Anlehnung an Soylent Green “Soylent” zu nennen. Zum “Green” fehlt wohl noch der passende Farbstoff – sicher nur eine Frage der Zeit.

Dieses Machwerk ist die logische Konsequenz einer langen Entwicklung. Um Effizienz zu gewinnen, werden “echte” Lebensmittel, die leider verderblich, nicht-quadratisch oder auch nur verschiedenfarbig sind durch standardisierte Retortenprodukte ersetzt. Nach der Entdeckung der Grundnährstoffe (Fette, Zucker, Eiweiß) erschien es ausreichend, Arbeiter nur von Reis oder Segler nur von Kartoffeln zu ernähren. Als die Arbeiter dann Beriberi entwickelten, wurde die nächste Klasse lebensnotwendiger Stoffe entdeckt, die Vitamine. Diese wurden daher fortan zugesetzt. Heutige Fertigprodukte entstehen somit dadurch, dass man Rohstoffe erst in ihre Bestandteile zerlegt um dann neue Designer-Produkte zu entwickeln, denen alles zugesetzt wird, was als unverzichtbar gilt. Aus Früchten wird Zucker gewonnen, mit Gelatine, Farbstoff, Aroma und Vitaminzusatz werden daraus Haribo-Kirschen, die im Regal gegenüber der echten Kirschen liegen – ein absurder Kreislauf.

Was dabei auf der Strecke bleibt, sind all jene pflanzlichen Nährstoffe, deren positive Wirkung noch unerkannt oder zumindest nicht popularisiert ist. Rotwein oder Olivenöl enthalten hunderte verschiedener Moleküle an die der Mensch sich im Laufe der Evolution gewöhnt hat, deren positive Effekte aber noch unterhalb unserer Nachweisgrenze liegen oder nur in Kombination miteinander auftreten. Beispiele für mögliche Kandidaten sind Polyphenole wie Resveratrol. Diese Komplexität aus unserer Nahrungskette zu verbannen macht den Händlern die Arbeit leichter. Unsere Ernährung aber verarmt.

Auch kulturell ist es eine Sünde, Essen auf seine Ernährungsfunktion zu reduzieren. Sich Zeit für Essen zu nehmen, es zu genießen und insbesondere es zu teilen ist als Tradition älter als jede Religion. Wenn wir an Weihnachten alle nur noch zehn Minuten gemeinsam um den Mixer stehen, haben wir unser Leben so weit optimiert, dass wir darin absolut nutzlos geworden sind.

Salz, Öl und Pfeffer bei Flowers on my Plate

Fleur heißt ja bekanntlich Blume, Flower ebenso. Als ich mich daher in die fantastischen Rezepte und Fotos bei http://flowersonmyplate.de verliebt hatte, war es nur noch ein kleiner Schritt, der verantwortlichen Künstlerin Dani unsere Produkte zum Test anzubieten. Sie hat geantwortet und das Ergebnis ist nun online: Bruschetta mit Fleur de Sel (und Öl, und Pfeffer).