Verpackungsfragen

Eine der Fragen, die uns von Anfang an begleitete war die der perfekten Verpackung. Eine der wenigen Dinge, die mir aus meinem BWL-Studium im Gedächtnis geblieben sind, sind die “Zielkonflikte” bei Verpackungen. Eine Verpackung soll:

  • Günstig
  • Elegant
  • Schützend
  • Unempfindlich
  • Platzsparend
  • Leicht
  • Gut handhabbar

und wahrscheinlich noch einiges anderes sein.

Fleur de Sel in der Verpackung

Fleur de Sel in der Verpackung

Viele Konkurrenten verwenden sehr edle kleine Tongefäße. Diese sind bei unserem Preis erstens zu teuer und zweitens im Transport zu empfindlich. Aludosen, wie man sie häufig bei besserem Kaffee sieht, sind sehr edel, halbwegs erschwinglich und gut transportierbar. Leider kennen wir all den horrenden Energiebedarf bei der Aluminium-Verarbeitung und können diese Dosen daher nicht mit unserem Gewissen vereinbaren. Auch ist Salz ein ziemlich aggressiver Stoff, und bei Aluminium ist die Korrosion nur eine Frage der Zeit. Zumindest im ersten Jahr wollen wir nicht unseren Kunden überlassen herauszufinden, wieviel Zeit das ist.

Bei Heroes Coffee in der Oderberger Straße in Berlin (ein Café das seinen Espresso genauso liebt wie wir unser Salz) sahen wir dann sehr hochwertige, glänzend weiße Plastiktaschen. Ein eingestantztes Logo führte uns dann auf die Spur des Produzenten in Italien. Die Kaffeeverpackung war für uns nicht ideal, auch weil sie ein Überdruckventil enthielt, das für uns unnötig ist, aber in der breiten Palette ähnlicher Taschen fanden wir dann unsere Idealverpackung: innen PET, der von Flaschen bekannte Kunststoff, der mit Salz nicht reagiert und relativ umweltschonend ist. Außen dickes braunes Papier. Die Farbe ist etwas rustikal, passt aber gut zum Fleur de Sel. Wir zumindest fühlten uns sofort an die Papiertüten erinnert, die auf Wochenmärkten verwendet worden, bevor dort nur noch Plastiktüten zum Einsatz kamen.

Im Sonnenschein der letzten Woche konnten wir dann auch endlich einige Fotos des Salzes mit Verpackung am schönen grünen Berliner Landwehrkanal machen. Diesmal kommt auch das Fleur de Sel so zur Geltung, wie wir es uns erhofft hatten.

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Ist Fleur de Sel mit Gewürzen sinnvoll?

Notgedrungen muss ich mich ja auch mit der Konkurrenz im Salzhandel (irgendwie spannend nun so einem uralten Beruf nachzugehen, und auf jeden Fall besser als der andere alte Beruf (genau, Bäcker)) beschäftigen. Was ich dabei recht häufig finde ist Fleur de Sel + X. Ähnlich wie bei Biermixgetränken wird dabei dem Fleur de Sel noch alles mögliche zugemischt. Meist sind es Gewürze wie Pfeffer oder Curry. Nun frage ich mich: was soll das?

Ich sehe dabei zwei große Nachteile. Erstens ist Salz quasi unendlich haltbar. Auch das Steinsalz, das vor Jahrmillionen entstand als Meere verschwanden und nun in Bergwerksstollen ausgegraben ist zwar nichts besonderes, aber natürlich noch genießbar, selbst wenn einige verrückte Esoteriker mangelndes ying oder yang oder so bemängeln. Gewürze sind aber organische Stoffe und also solche von begrenzter Haltbarkeit. Bei meiner Mutter stehen zwar noch immer Gewürze die in DM ausgezeichnet sind, aber viel Geschmack kann da nicht übrig geblieben sein. Gewürze können durch Bakterien und Pilze verderben, und flüchtige Geschmacksstoffe können sich buchstäblich in Luft auflösen.

Bei einer Mischung von Fleur de Sel mit diesen Gewürzen ist das Gemisch dann natürlich auch nicht mehr ewig haltbar. Zwar wirkt das Fleur de Sel wie jedes Salz konservierend, aber Geschmacksstoffe festhalten kann es nicht. Zudem fördert Salz die Korrosion, wodurch bei langer gemeinsamer Lagerung zusätzlicher Schaden am Gewürz entstehen kann.

Zweitens habe ich mit zum Beispiel “Fleur de Sel mit Curry” weniger Möglichkeiten. Ich kann es halt nur zusammen verwenden. Wenn ich nur Fleur de Sel will, muss ich auch reines Fleur de Sel haben. Wenn ich nur Curry will, muss ich auch reinen Curry haben. Und wenn ich eh Fleur de Sel und Curry habe, kann ich es auch schnell selbst mischen und beliebig dosieren. Und wenn ich sechs verschiedene Dosen Fleur de Sel + X im Regal habe, verwende ich die einzelne nur noch recht selten. Und dann gibt’s Probleme mit der Haltbarkeit (s.o.).

Also ich kann dem Salzmixgeschäft nichts abgewinnen, aber vielleicht entdecke ich ja noch den tieferen Sinn.

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Echte Herausforderung: Fleur de Sel Fotografieren

Es gibt einige Gebiete, auf denen ich mich als, sagen wir mal, “ambitionierter Amateur” bezeichnen würde. Kochen zum Beispiel, oder Fotografieren. Während Fleur de Sel einem beim Kochen sehr entgegenkommt (schmeckt irgendwie immer), ist es als Fotomodell doch eher grausam. Nachdem der erste Sack Fleur de Sel also eingetroffen war, wollten wir natürlich (1) damit kochen und (2) einige gute Fotos für die Websites schießen. Salzkörner sind wie wir wußten natürlich ziemlich klein, selbst bei Fleur de Sel. Daher sollte das ideale Motiv eine möglichst große Salzmenge realistisch darstellen können, einen guten Kontrast bieten und natürlich auch appetitlich aussehen. Was uns einfiel hatte dann leider nicht mehr so viel mit Kochen zu tun, sondern eher mit Mixen: eine Margarita.

Nicht Pizza, Cocktail.

Margarita mit Fleur de Sel

Margarita mit Fleur de Sel

Die Zutatenpreise rechtfertigen leider fast die Preise, die man in Cocktailbars so zahlt. Aber immerhin war das Mixen einfach: Tequila, Blue Cura?ao oder Triple Sec, Limettensaft im 3:2:1 Verhältnis, dazu natürlich der Salzrand mit Fleur de Sel. Sogar passende Gläser konnten wir uns schnell noch leihen. Das Ergebnis war dann geschmacklich absolut überzeugend, fotografisch leider nicht so sehr. Selbst mit guter Kamera und gutem Objektiv lassen sich die feinen Schattierungen in einem Häufchen weißer Flocken nicht wirklich abbilden. Beim Bearbeiten fiel mir dann noch auf, dass das Glas nicht ganz gefüllt war und unter dem Salzrand eine häßliche Lücke klafft. Da waren die Cocktails natürlich längst leer.

Besser als das aktuelle Foto bei Wikipedia ist es denke ich dennoch geworden, weshalb ich es dort in den Kommentaren als Alternative angeboten habe. Selbst über das eigene Werk entscheiden möchte ich dann doch nicht.

Sie wollen bei uns bestellen? Wirklich?

Wow, es geht gut los. Sonntag abend haben wir den Schalter umgelegt und die Website ging online, dazu ein wenig Werbung bei google und einige Mails an Freunde die unser Salzprojekt bisher nur für einen Witz hielten (“Salz wollt ihr verkaufen, na klar!”). Natürlich hatten wir insgeheim auf etwas Ressonanz gehofft. Aber die Realtität übertrifft bereits jetzt alle Erwartungen. Es scheint eine Menge Menschen zu geben, die auch auf Details wie Salz wert legen.

Nun haben wir natürlich ein Luxusproblem: die Leute rennen uns die Bude ein, und wir müssen noch an der Infrastruktur arbeiten. Das wichtigste, den perfekten Lieferanten, haben wir zwar schon, aber Verpackungen und die Zahlungsabwicklung müssen noch organisiert werden. Gerade letzteres wirkt leider vielleicht etwas unprofessionell auf unsere Kunden, aber bis zum September ist es ja noch etwas Zeit und es hat sicher niemand etwas dagegen, sein Geld etwas länger behalten zu können. Es gibt auch viele Kommentare von Kunden, die unser Projekt sympathisch und interessant finden, und die zum Beispiel hier im Blog gespannt mitlesen. Transparenz ist da wohl wichtiger als sofortige Perfektion.

Jedenfalls ist es toll, nach Monaten des Planens und Vorbereitens endlich im Geschäft zu sein!

Immer(hin) ein gutes Geschenk

Mittlerweile stehen ja die ersten 25 kg Fleur de Sel in einer großen Plastiktüte bei mir am Fenster und versuchen zu trocken. Die PR-Arbeit für die Kampagne gestaltet sich zwar etwas mühsam (“es gibt gutes Salz??”), aber ein Problem hab ich immerhin gelöst: die Suche nach dem richtigen Geschenk.

Nun muss ich zugeben, eher zu denen zu gehören, die vor der Party noch schnell am Kiosk eine Flasche Wein kaufen, und vor lauter schlechtem Gewissen dann meist auch noch den teuersten, der dann trotzdem nix taugt. Immerhin ist der teuerste Kioskwein hier in Kreuzberg immer noch recht bezahlbar. Manchmal kommt man auch am Bahnhof vorbei, dann kann man noch frische Blumen bekommen. Irgendwie ist aber das aber auch einfallslos und mehr nette Geste als wirklich nützlich.

Aber seitdem der Sack Salz hier steht, merke ich, dass man Menschen tatsächlich eine Freude machen kann. Irgendwie scheint Fleur de Sel zu den Sachen zu gehören, die man immer schonmal ausprobieren wollte. Aber dann hat man keine Zeit/findet’s nicht/ist’s zu teuer etc. Wie Fallschirmspringen vielleicht.

Und da so ein Kilo Salz ja eine Weile reicht, ist das etwas längerer Spaß als Fallschirmspringen.

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Der Wahre Preis im Warenkorb

Man fängt ja oft im Leben idealistisch an, um dann von der Realität eingeholt zu werden. So könnte es uns bald gehen, mit den Versandkosten. Da wir bisher ja mehr als Kunde denn als Verkäufer aufgetreten sind, haben wir uns oft genug selbst geärgert, wenn aus dem “zzgl. Versandkosten” in “1,20€ zzgl. Vesandkostendann schnell 5 oder 6 Euro wurden. Daher sollten die Versandkosten unbedingt in dem Preis enthalten sein, mit dem wir werben. Da unser Produkt eine recht einheitliche Größe hat und die meisten wohl auch nicht mehr als ein Kilo Fleur de Sel kaufen wollen, gibt es auch keine praktischen Gründe, die dagegen sprechen.

Leider sind die die meisten unserer Konkurrenten nicht ganz so transparent. Teilweise ist das sogar gerechtfertigt, da Onlineshops mit großem Sortiment sicher häufiger mehrere Artikel zusammen verschicken, und dann entweder beim Einzelversand Verlust machen oder bei größeren Bestellungen die Versandkosten mehrfach berechnen müssten. Andere wiederum verdienen vermutlich hauptsächlich mit den Versandkosten, denn so ganz kann ich nicht verstehen, warum man 6€ berechnen muss, wenn man selbst im ungünstigsten Fall (einzelnes Päckchen bei der Deutschen Post) nur 3,90€ zahlt.Da wird der Weg zur Post wohl jedem Kunden einzeln berechnet. Solche Anbieter schaffen es dann gelegentlich sogar, mit einem Preis unter unseren 20€ zu werben. Das Blatt wendet sich dann erst am letzten Schritt im Warenkorb.

Eine ganz andere Sache sind dann natürlich nochmal die 6,95€ Angebote, die man manchmal findet, wenn man nach Fleur de Sel sucht. Das sind dann natürlich meist nur 125 Gramm, und mit Versandkosten bedeutet das dann Kilopreise von über 80€. Da vertrauen wir aber dem mündigen, informierten Konsumenten. Hoffentlich irren wir uns nicht.

Erstmal bleiben wir beim All-Inklusive Angebot, den ersten Bestellungen nach zu urteilen scheint es auch zu funktionieren.

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Das Salz ist da, hurra!

Zwar hatten wir mit dem Transportservice der Deutschen Bahn absichtlich den Freitag als Liefertermin ausgemacht, um es auch persönlich empfangen zu können, aber dann hat die Bahn etwas sehr seltenes, unerwartetes getan: sie kam zu früh. So muss dann ein bedauernswerter Logistiker den 25kg Sack zum Nachbarn in den 4 Stock geschleppt haben. Bedauernswert natürlich auch weil er sich – wie mein Nachbar mich später – gefragt haben muss, was für einen verdammt schweren Mist wir da verschicken. Leider wird er das nun nie erfahren.

Nun sind also die 25 Kilo in Deutschland – der Prototyp sozusagen. Dieses Salz stammt noch aus den inzwischen recht leeren Vorräten des letzten Jahres. Im Oktober werden wir dann das frische Fleur de Sel dieses Sommers heranschaffen. Diese erste Charge ist für den privaten Gebrauch und als Probe für die Medien und einige Freunde. Erstmal müssen wir es allerdings trocknen. Nachdem wir – wie vom Salzbauern unseres Vertrauen empfohlen – die unteren Ecken des Sacks aufgeschnitten haben lief auch erstmal etwa ein halber Liter Lauge ab. Erstaunlicherweise ist dieses feuchte Salz allerdings nicht “geschmolzen” und verklumpt wie ich es erwartet hätte. Konsistenz und Geschmack entsprechen genau dem hohen Niveau der Proben aus Guérande, die wir vorher in Gourmetläden besorgt hatten. Wir haben ja insgesamt sicher zwanzig verschiedene Sorten Fleur de Sel getestet, darunter aus so abwegigen Orten wie Indien, Peru und Slovenien. Aber nichts, nichtmal das ebenfalls bekannte Fleur de Sel de Carmaque, erreicht diese Qualität. Tausend Jahre Erfahrung und Handarbeit sind also vielleicht doch nicht so nutzlos.

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